Der Titel dieser Unterseite mag dem einen oder anderen etwas merkwürdig erscheinen, aber hier in Buchenau wurde früher tatsächlich Braunkohle im Untertagebau abgebaut. Zunächst einmal in den Jahren 1922 bis 1924 und dann noch einmal nach dem zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1950.

So jedenfalls geht es aus einem Zeitungsartikel von Angela Hübsch hervor, der sowohl in der Hünfelder als auch in der Bad Hersfelder Zeitung im März 1994 zu lesen war.

Das Straßenschild auf nebenstehendem Bild weist heute noch den Weg zu dem ehemaligen Bergwerk
Straßenschild Bergwerk
Der Weg zum Bergwerk
Weg zum Bergwerk

Es scheint aber so zu sein, dass bereits vor dem ersten Weltkrieg (vielleicht schon gegen 1890 oder früher?) Braunkohle in Buchenau gewonnen wurde. Hierzu konnte ich Folgendes im Archiv des Bergamtes Bad Hersfeld recherchieren:
In einem Schreiben vom 16.01.1946 an das Bergamt Kassel berichtet die Firma Iffland & Koch, die in 1946 das Bergwerk Buchenau betrieben hat, dass bereits am 31.10.1874 eine Genehmigung des Oberbergamtes Clausthal für den Bergbau in Buchenau erteilt wurde.

Auch zu den Bergwerksangelegenheiten weiß Herr Hans Klotzbach aus Buchenau, der auch bereits zu o.g. Zeitungsartikel einen Beitrag gegeben hatte, zu berichten:

1928 kaufte der Onkel von H. Klotzbach über den Treuhandverwalter Dr. Filler ein Grundstück von der ehemaligen Ziegelei in Buchenau. Die Ziegelei, die hier in einer eigenen Unterseite behandelt wird, war zu diesem Zeitpunkt schon längere Zeit stillgelegt. Beim Herrichten und Aufräumen dieses Grundstückes wurden noch größere Mengen Braunkohle gefunden, die offensichtlich zum Betreiben der Dampfziegelei benutzt wurde. H. Klotzbach weiß ebenfalls noch aus den Erzählungen seines Onkels, dass vor dem ersten Weltkrieg eine Hängeloren-Seilbahn für den Transport der Braunkohle von Buchenau zum Bahnhof Eiterfeld geplant war (also weit vor 1922). Der Bau dieser Seilbahn wurde nie zu Ende geführt, weil das Unternehmen wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen wurde. Eine alte Postkarte, die auch in der Chronik der Marktgemeinde Eiterfeld abgebildet ist, zeigt eine hölzerne Stütze, die bereits für die Hängeloren-Seilbahn errichtet war (Auch über die geplante Seilbahn konnte ich einen umfangreichen Schriftverkehr im Hersfelder Archiv ausfindig machen).

Eiterfeld “Am Körle” mit einer Stütze der geplanten Seilbahn im Hintergrund. Auf dem alten Foto ist das ganze Gebiet des Körle noch unbebaut
Panorama von Eiterfeld mit der Seilbahnstütze

Außerdem schrieb die Hersfelder Zeitung in einer Ausgabe vom 26.09.1990 folgendes:

Vor 70 Jahren

Auf dem Gelände zwischen Buchenau und Eiterfeld werden von einer Privatgesellschaft Bohrungen vorgenommen, nachdem vor etwa 30 Jahren schon einmal ein kleines Braunkohlelager erschlossen worden war.
Jetzt, will man das alte Bergbauprojekt wieder aufleben lassen.

Das bedeutet also, dass vor 70 Jahren (also 1920) in Buchenau Bohrungen nach neuen Braunkohlevorkommen stattgefunden haben. Der Hinweis: “nachdem vor etwa 30 Jahren schon einmal ein kleines Braunkohlenlager erschlossen worden war”, zeigt also eindeutig an, dass mindestens im Jahre 1890 in Buchenau der Braunkohle-Abbau bekannt war. Fest steht jedenfalls, dass in den Notjahren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg der Braunkohlenabbau in Buchenau wieder aktiviert wurde. 1945 bereits begann die Firma Iffland und Koch aus Bad Hersfeld mit dem Anlegen eines neuen Stollens.

Ein Foto von 1950 zeigt das Bürogebäude mit der Verladebrücke. Der etwas niedrigere Anbau dazwischen diente als Waschkaue für die Bergleute.
Büro Bergwerk

Die Firma rechnete mit einem Abbauvolumen von ca. 350 000 Tonnen Kohle.

In 1948 wurde auch eine Verladebrücke mit Kohlenbunker und ein Bürogebäude errichtet. Eine alte Dreschhalle wurde als Waschkaue für die 70 Bergleute benutzt. Täglich wurden etwa 18 Tonnen Kohle abgebaut. Zunächst wurde die abgebaute Kohle in den Nebenstollen in Loren verladen, die dann im Hauptstollen, dem sog. Eitrastollen zu einem Zug zusammengestellt und von einer Diesellok zum Verladebunker gezogen wurden. Die Kohle wurde dann auf Lastwagen verladen und in der Umgebung, teilweise bis Marburg und Kassel, verkauft.

Es ist schon schwierig, ein paar Überreste des früheren Bergwerk-Betriebes zu finden. Alleine der Weg zu dem, 1950 aus Sicherheitsgründen zugemauerten, Stollen mutet schon recht abenteuerlich an.

Der Weg zum ehemaligen Stollen: Urwald
Urwald
In der Nähe des Stollens stehen noch Reste von Gebäuden im Wald. Hier ragt noch ein Schornstein empor, der Rest ist nicht mehr vorhanden.
Schornstein bei Stollen

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde noch im Schichtbetrieb, rund um die Uhr, gearbeitet. Erdrutsche, Wassereinbrüche und auch Unfälle bereiteten dem Unternehmen öfters Schwierigkeiten.

Die Einstellung des Betriebs in 1950 allerdings war bedingt durch Absatzschwierigkeiten. Andere Unternehmen dieser Art waren bereits auf Brikettierung umgestiegen, während die Buchenauer Braunkohle noch als Rohkohle verkauft wurde. Nachdem bereits in 1949 einmal Kurzarbeit eingelegt werden musste, war es 1950 soweit, dass im Januar das Bergwerk geschlossen wurde.

In der Mauer, die den Stollen verschließt, ist das Jahr zu sehen, in dem das Bergwerk geschlossen wurde.
Stollen 1950
Im Bild unten sieht man den zugemauerten “Eitrastollen” neben einem kleineren Schuppen.
Stollen 1950
Die Reste der großen Verladebrücke werden langsam vom Wald zugedeckt.
Verladebrücke
Von Moos überwuchert, erscheinen dem Betrachter die Fragmente eines Verladesilos wie die Ruinen einer versunkenen Urwaldstadt.
Silo-Reste

Heute zeugen nur noch ein paar bauliche Überreste von der einst regen Tätigkeit im Buchenauer Braunkohle-Bergwerk. Insgesamt wurden in den letzten 5 Jahren des Bergwerk-Betriebs ca. 24 000 Tonnen Braunkohle gefördert.