Buchenau
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Dorfschelle

 

© Peter Schaaf

Das Schenck-Schloss

Das Geschlecht derer von Buchenau hatte sich bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrh. derart vermehrt, dass es erforderlich wurde, ein weiteres Schloss zu bauen.

So wurde südlich der sog. “Oberen Burg” außerhalb der Burgmauern der Stammburg, 1611 - 1618 ein prunkvolles Renaissance-Schloss errichtet. Erster Schlossherr und Erbauer ist

Georg M v B

der mit Agnes, einer geborenen von Schwalbach, verheiratet war.

Wappen Buchenau Schenck

Das Schenck-Schloss Vorderansicht

Vorderansicht des renovierten Schenck-Schlosses

Etwa gegen 1680 wurde dieses Anwesen an den Fürstabt von Fulda verkauft, der es ein Jahr- zehnt später an die Familie “Von Schenck zu Schweinsberg” weitergab. Hierfür gaben die Schencks ihre Besitztümer in Burghaun zum Tausch.

Schenck-Schloss von Süd-Westen gesehen

Schenck-Schloss von Südwest

Im Jahre 1692 kam die Familie Schenck zu Schweinsberg in ihr neu erworbenes Schloss nach Buchenau, wo sie bis zum Tod des letzten männlichen Mitgliedes 

Hans Sch z Schw

1912 verblieben.

Das gesamte Schloss ist mit einer hohen Mauer umgeben, die allerdings das sog. Generalshaus, das zum Besitz der Schencks zu Schweinsberg gehörte, nicht einschließt.

Schenck-Schloss Mittelbau

An einen Mittelbau mit zwei schön verzierten Renaissance-Giebeln schließen sich zwei etwas niedrigere Flügel rechtwinklig an. Diese sind nach Nordosten und Südosten ausgerichtet. Die Giebel dieser Seitenflügel zeigen ebenfalls Renaissance- Ornamentik. Im Winkel der beiden Flügel steht ein runder Treppenturm, der auf dem Bild “Vorderansicht” in der Mitte zu sehen ist. Ein zweiter, etwas kleinerer Treppenturm auf der Südseite des Schlosses ist im nebenstehenden Bild erkennbar. Dieser Turm, mit einem Fachwerk- geschoss, ist erst später angebaut worden. 

Der prächtige Mittelbau mit einem der verzierten Giebel. In der rechten Bild- hälfte der südliche Treppenturm

An der Nordseite des Nordflügels ist ein Wappenstein aus dem Jahre 1583 eingelassen, der wohl aus einem Vorgängerbau stammt. Er trägt folgende in Reim verfasste Inschrift: 

 MDLXXX DREI LIS
 BERNHARD WILHELM DIS
 ERNEV INS HERREN TREV
 STEHT HAVS VND BEV

Allianzwappen am Nordflügel
Inschrift des Allianzwappens

Die in Reim verfasste Inschrift auf dem Wappenstein an der Nordseite des Nord- flügels

Die Portale beider Flügel sind allesamt im Stil der Renaissance gehalten und weisen die typischen Pyramiden, Diamantierungen, Beschlagwerk und Steinmetzzeichen auf. Über einem der Portale auf der Parkseite sind die Buchstaben der ersten Besitzer des Schenck-Schlosses mit Jahreszahl zu sehen:

G.M.V.B. A.V.B.G.V.S. 1618

Erklärt werden die Buchstaben an einem anderen Portal des Nordflügels:
 Georg Melchior vo und zu Buch. Agnes von Buchenaw geborene vo Schwalbach

Portal  Schenck-Schloss

Zwei der schönen Re- naissance-Portale des Schenck-Schlosses

Portal  Schenck-Schloss

Während der große Treppenturm im Winkel der beiden Schloss-Flügel im gleichen Zeitraum wie das ganze Schloss errichtet wurde, stammt der etwas kleinere Treppenturm auf der Südseite aus späterer Zeit.

Innerer Treppenturm

Der große, innere Treppenturm. Rechts ne- ben dem Turm ist der Nordgiebel des Mittel- baues zu sehen.

Der Treppenturm auf der Südseite hat ein Fachwerkgeschoss und zeigt in mittlerer Höhe einen Wappenstein des Hans Schenck zu Schweinsberg.

Links neben dem kleinen Treppenturm ist der Südgiebel des Mittelbaues zu sehen.

Das Innere des Schenck-Schlosses bietet dem Besucher eine ganze Reihe sehens- werter Kostbarkeiten. So sind besonders erwähnenswert mehrere Renaissance-
Türen im Original, die aus dem Jahre
1618 stammen. Neben verschiedenen Kaminsteinen gefällt noch besonders eine sehr feine Geländerfigur, ein in Holz geschnitzter Löwe mit Wappen, im Treppenaufgang des kleineren Treppen- turms.

Treppenturm Südseite
Geländer-Löwe

Im Bild oben der Wappenlöwe am Trep- penaufgang im Südturm

Türwappen Schenck

Rechts zwei der prunkvol- len Renaissancs-Türen mit den jeweils zugehörigen Wappen der Schencks zu Schweinsberg (oben) und derer von Buchenau und Schwalbach (unten)

Türwappen Buchenau
Kaminstein
Original-Tür
Original-Tür

Im Schloss sind in den Gängen mehrere, schön verzierte Ka- minsteine verteilt

Kaminsteinverzierung

Wie bereits erwähnt, wurde der kleinere Treppenturm im Süden erst später angebaut. Das in mittlerer Höhe des Turms befindliche Wappen weist als Anlass der Turmerbauung die Vermählung des Hans Schenck zu Schweinsberg mit Else Schenck zu Schweinsberg (geb. Huppertz) aus.

Wappen am südl.Treppenturm

Das Wappen am südlichen Treppenturm

Das wunderschöne Renaissance-Brunnenhäuschen in der Parkanlage vor dem Schloss war für einige Jahre entfernt worden, weil der Zahn der Zeit daran genagt hatte und es baufällig gewor-

Das Renaissance- Brunnengehäuse im Park des Schenk-Schlosses.

Renaissance Brunnen

den war. Erfreulicherweise wurde es durch den neuen Schlossbesitzer relativ schnell instand gesetzt und erfreut nun wieder die Besucher des Parks.

Hans Schenck zu Schweinsberg war der Letzte im männlichen Stamm der Familie. Er starb am 19. Oktober 1912 im 42. Lebensjahr infolge eines Hirnschlages (?) und hinterließ nur eine Tochter. Die Familie verließ daraufhin Buchenau und verkaufte das Schloss, das 1924 an das “Deutsche Landerziehungsheim” (später Hermann- Lietz-Stiftung) ging, nachdem es noch zwischenzeitlich 2 andere Besitzer hatte.

Schenck-Schloss alte Ansicht

Im Jahr 1984 wurde die Internats-Schule der Hermann-
Lietz-Stiftung geschlossen und der gesamte Komplex Schenck-Schloss mit Generalshaus und Försterhaus- blieb ca. fünf Jahre lang leer. Kurz vor Öffnung der Deutsch-Deutschen Grenze im Jahr 1989 diente die Anlage zunächst den ersten DDR-Flüchtlingen, die über Ungarn gekommen waren, und danach bis
1999 deutsch-
russischen Übersiedlern als vorübergehende Unter- kunft.

Dieses ältere Foto aus den fünfziger Jahren zeigt noch einen Treppenaufgang zum Park

Seit November 2000 wurde das Schenck-Schloss, das von zwei privaten Investoren erworben wurde, wieder renoviert und auch im Innenbereich teilweise umgebaut. Ab Sommer 2001 ist im Rahmen von betreuter Freizeit und Seminarbetrieb wieder reges Leben in das Schenck-Schloss eingekehrt.

Wenn Sie Kontakt mit dem Schlossherren aufnehmen möchten, klicken Sie bitte auf das Hinweisschild!

Richtiungsschild zum Schenck-Schloss